Samstag, 12. November 2016

Die Welt der Bildsprache von der Kindheit ins Erwachsenenalter mitnehmen.

Bildsprache in Sozialen Netzwerken 

Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften sind manchmal etwas zu "sperrig", um sie interessant und übersichtlich Eltern präsentieren zu können. Trotzdem sind viele Ergebnisse wertvoll und sollten nicht nur Fachkreisen zur Verfügung stehen. Deshalb habe ich angefangen, Erkenntnisse und Gedanken in einer Art "Bildsprache" über Twitter anzubieten. Gemeinsam mit Bildern haben meine Tweets mehr Aufmerksamkeit erregt. Dabei bekam ich Kontakt zur Eltern-Blogger-Szene, aber auch zur internationalen "Sketchnoter-Szene" und stellte fest, dass ich im Prinzip nichts anderes erstellte als sogenannte "Sketchnotes".

(Neuro-)Wissenschaft für alle durch Sketchnotes

Sketchnotes bezeichnen eine Art Bildsprache. Seit gut einem Jahr twittere ich nun fleißig unter @NeuroFuerEltern meine Werke, teilweise zum Themenfeld Neurowissenschaften, aber auch darüber hinaus.
Hier stelle ich ein Sketchnote-Beispiel von mir vor. Ich habe die Visualisierung zum Interview mit Manfred Spitzer im Radiosender DRKultur zum Thema "Digitalpakt Deutschland" vom 12.10.2016 erstellt:

Sketchnote zum Interview mit Manfred Spitzer im DRKultur am 12.10.2016 copyright J.Meyer.
Manfred Spitzer wird inzwischen stark dafür kritisiert, sich dafür einzusetzen, Kinder vor Medienkonsum schützen zu wollen. Nach Meinung vieler, verhindere er das Erwerben von Kompetenzen im Bereich Digitalisierung durch seine klare Positionierung. Eine differenzierte Betrachtung seiner rgumente bleibt dabei leider häufig aus. Das Einfordern von Studien, die den erfolgreichen Einsatz von digitalen Ansätzen im Unterricht belegen ist durchaus berechtigt. Daher habe ich die Sketchnote eines Interviews mit Manfred Spitzer als Anregung zur Diskussion aufgenommen.
  
Um zu erklären, was Sketchnotes sind, zitiere ich am liebsten Mike Rohde:

 

Mike Rohde: "Sketchnotes are ideas no art!"

Mike Rohde ist einer der großen Sketchnoter, den ich hiermit aus seinem berühmten Werk "The sketchnote handbook" zitiere: "Sketchnotes are ideas, no art!". Das bedeutet sinngemäß, dass jeder Mensch Sketchnotes erstellen kann, auch ohne Kunst- oder Design-Studium. Einzige Herausforderung ist, die Ideen bildhaft darzustellen. Genaugenommen haben Sketchnotes Menschen bereits zu Zeiten der Höhlenmalerei erstellt, vermutlich sogar intensiver als heute.

Das Bedürfnis Erwachsener zu malen, kommt mit dem Doodle-Trend wieder auf.

Das Bedürfnis zu malen, zu doodlen, zu kritzeln etc. ist größer denn je. Bekannte Buntstifthersteller mussten nachproduzieren, um der Nachfrage nachzukommen, da nun nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene "doodlen". Meist sind in den Schreibwaren-Geschäften mit dem Begriff "Doodling" zunächst Ausmal-Mandalas zur Entspannung und leichten Kreativität gemeint. Immer mehr Erwachsene gehen jedoch über Mandalas hinaus und fangen an, selbst zu kritzeln und geben ihrer Kreativität noch mehr Ausdruck.

Kinder erstellen intuitiv Sketchnotes. Erwachsene verlernen meist diese Fähigkeit.

Kinder erstellen Zeichnungen ihrer Ideen ganz intuitiv, manchmal haufenweise, manchmal spärlicher, je nach Temperament. Leider geht diese Ausdrucksmöglichkeit im Erwachsenenalter bei vielen Menschen verloren. Dabei hilft eine Bildsprache sehr gut, Sachverhalte klarer zu verstehen. Berater nutzen visuelle Elemente häufig und nennen sich bspw. "Visual Coach" etc. Vorträge werden immer öfter professionell durch "graphic recording" mitgezeichnet. Alle diese Ansätze vereint die gemeinsame Bildsprache.

Ich begann also mit Mike Rohdes Werk in die Welt der Sketchnotes einzutauchen und konnte nicht mehr aufhören. Meine ganze Familie zog mit und wir zeigten uns gegenseitig stolz unsere Werke.
Ich begann Sketchnotes für Kinder zu erstellen, um die Kreativität der Kinder noch mehr anzuregen. Hier ein Beispiel:
Eine Sketchnote für Kinder. copyright J. Meyer Nov. 2016


Ich nehme bei Vorträgen durch Sketchnotes das für mich Wesentliche mit. 

 

Bei Veranstaltungen, Vorträgen etc. erstelle ich nun Sketchnotes und schreibe nicht mehr einfach nur mit. Dadurch nehme ich viel mehr Inhalte auf und erinnere mich mit einem Blick auf die Sketchnote, an das für mich Wesentliche.

Die Sketchnoterin Diana Meier-Soriat (www.sketchnotes-by-diana.com) hat über das Thema Sketchnotes in der Schule auf ihren Seiten gepostet. Sie bietet neben professionellem Graphic Recording auch Sketchnotes für Schulen an. Auch sie beschreibt wie wichtig es ist, die Fähigkeit des bildlichen Ausdrucks ins Erwachsenenalter zu retten.

Wahnsinniger Trend: Sketchnotechallenges, Sketchnotehangouts, Sketchnote Workshops, Sketchnote Bücher... 

Als ich Sketchnotes entdeckte, stieß ich als Erstes auf eine Sketchnotechallenge von Tanja Cappell alias @FrauHoelle bei Twitter, an der ich teilnahm. Später besuchte ich einen Workshop von ihr in Köln. Frau Hölle macht inzwischen auch ganz viel Handlettering und ist damit ziemlich bekannt geworden. Handlettering beshäftigt sich mit ansprechenden, handschriftlichen Schriftzügen.Viele Sketchnoter arbeiten mit interessanten Lettering-Elementen, die Inhalte gut transportieren können und die Aufmerksamkeit des Betrachters einfangen.

Auf der Suche nach meinem persönlichen Stil beobachtete ich unter anderem Mauro Toselli @xlontrax, dessen Stil ich mag, da er so klar, übersichtlich und ausgewogen ist. Ich nahm bei einem Sketchnote Hangout (@SN_hangout) teil, den Makayla Lewis, ebenso eine großartige Sketchnoterin, regelmäßig veranstaltet.  Mauro Toselli war in dieser Session Vortragender. Die Inhalte seiner Sketchnotes basieren auf scharfen Beobachtungen und wertschätzenden Details. Die Sketchnotes der von ihm gezeichneten drei Hände von Barack Obama, Hillary Clinton und Donald Trump verdienen meines Erachtens einen Preis. Seine "100+1 drawing ideas" wurden als Printform bereits über 700 mal verkauft und geschätzt.

Neugierig auf Sketchnotes geworden?

Wer sich für Sketchnotes interessiert, kann sich inzwischen einiges zunächst selbst beibringen.
Ich empfehle als erstes Werk Mike Rohdes "The sketchnote handbook.", das inzwischen auch in deutscher Sprache zur Verfügung steht unter dem Titel:

- "Das Sketchnote Handbuch: Der illustrierte Leitfaden zum Erstellen visueller Notizen".

In Deutschland gibt es ganz viele gute Sketchnoterinnen, deren Werke ich gerne beobachte:

- Das Blog von Diana Meier-Soriat bietet vor allem auch für Schulen tolle Informationen und Input, sowie Beispiel-Sketchnotes. Diana twittert auch ganz viele beeindruckende Sketchnotes.

- Ansonsten mag ich bei Twitter v.a. auch die Sketchnotes von (alphabetisch aufgelistet, ganz subjektiv zusammengestellt und bestimmt noch viele vergessen...) Andrea Brücken, Tanja Föhr Ania Groß,  Eva-Lotta Lamm, Sandra Martin und Katharina Theis-Bröhl. International gibt es noch ganz viele tolle weitere Sketchnoterinnen. Die männlichen Sketchnoter habe ich einfach einmal ausgelassen an dieser Stelle :).

- Mauro Tosellis 100+1 drawing ideas zeigt exemplarisch wie Alltagsgegenstände schnell verbildlicht werden können. Das Buch ist wahnsinnig günstig und lädt Groß und Klein zum Reinkritzeln ein.

- Die App "Rocketpicks" hat eine kleine Datenbank an einfachen Strichzeichnungen von vielen Gegenständen und Begriffen und kann schnell benutzt werden.

- Auf Twitter habe ich eine Liste erstellt, in der jeder sehen kann, welchen Sketchnotern ich folge. Hier könnt ihr Euch ganz viele verschiedene Sketchnote-Stile anschauen.

- Wenn ihr Instagram oder flickr nutzt, findet ihr unzählige Sketchnotes unter dem Suchwort Sketchnotes.

Material: Erlaubt ist alles was gefällt. Ich stelle Euch in einem anderen Post mal meine Lieblingsstifte und Blöcke vor. Es gibt auch digitale Möglichkeiten für Sketchnotes. Letzteres nutze ich nur gelgentlich.









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