Freitag, 16. November 2018

Digitales im Unterricht: Vom Nutzen zum Gestalten

Digitale Bildung wird von Seiten der Politik gefordert und gefördert. (1)

So soll das Land Nordrhein-Westfalen beispielsweise über einen Zeitraum von fünf Jahren rund eine Milliarde  Euro vom Bund (DigitalPakt Schule) erhalten.  Eine dafür abschließende notwendige Entscheidung über die Bund-Ländervereinbarung trifft die Kultusministerkonferenz Anfang Dezember 2018. (2)

Die Länder sind darüber hinaus dafür zuständig, entsprechende pädagogische Digital-Konzepte zu entwickeln und die Lehreraus- und -fortbildung einer digitalen Strategie entsprechend anzupassen.

Mich interessiert als Bloggerin mit "computer-neurowissenschaftlichem" Hintergrund vor allem der pädagogische Einsatz digitaler Konzepte im Schulunterricht, auch wenn der Ausbau der IT-Infrastruktur in Schulen dafür genauso nötig ist :).

 

Bertelsmann-Stiftung betrachtet den Status Quo der pädagogischen Anwendung digitaler Methoden: 


Ein Forscherteam hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung 2017 den Stand des digitalen Lernens in den verschiednen Bildungssektoren (Schule, Ausbildung, Hoschule und Weiterbildung) abgebildet. In der dritten Ausgabe des "Monitors Digitale Bildung" stehen die Schulen im Vordergrund der Betrachtung.

Das Team betrachtete vor allem die pädagogische Anwendung digitaler Technologien:
Hierzu wurden über 2000 Personen sowie 12 Grundschulkindergruppen befragt: 
1.235 Schüler in Form eines Online-Bogens bei Schülern weiterführender Schulen, 542 Lehrkräfte zum Einsatz digitaler Medien, 
242 Schulleiter zu Fragen zu strategischen Entscheidungen bzgl. digitalen Lernens, 
30 Entscheider aus Landesministerien, Schulträgern, Verbänden etc.
und Kinder aus 12 Grundschulen.

 

Ergebnis: Kaum Konzepte, wenige versierte Nutzer, kein IT-Support... 


Die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Bertelsmann-Studie auf einen Blick (3):
  1. Die Schule verkenne pädagpgische Potenziale der Digitalisierung, nur 15 % der Lehrer seien demnach versierte Nutzer.
  2. Kaum eine Schule behandele Digitalisierung als strategisches Thema. Die meisten Schulen hätten keine Konzept für die Nutzung digitaler Lernmittel.
  3. Fast 50 % der Lehrer seien mit der technischen Ausstattung an ihrer Schule nicht zufrieden. Noch häufiger beklagten sie den technischen IT-Support (58%) und die fehlende Weiterbildung (65%).
  4. Videos seien bei Schülern das beliebteste Lernmedium.
  5. Lehrer nutzten digitale Medien v.a. wenn sie kostenlos verfügbar seien. Etwa die Hälfte der Lehrer bemängelten den Zeitaufwand, der mit der Suche nach Unterrichtsmaterial verbunden sei. Selbst erstelltes Material werde jedoch von Kollegen selten digital geteilt.

Es wird schnell klar, dass zunächst grundlegende Konzepte zur Lehrerfortbildung, zum IT-Support und zu digitalem Unterrichtsmaterial aufgebaut werden müssen. Doch in welche pädagogischen Richtungen sich ein Digitalkonzept entwickelt, ist bisher meist noch nicht klar. Ein erster Blick in die internationale wissenschaftliche Literatur hilft auch nur sehr bedingt weiter:


Studien bisher: "Handyverbot an Schulen: Ja vs. Nein". Ein sinnvoller Ansatz?

 

Auf der Suche nach wissenschaftlichen Studien zum Thema "Digitales im Unterricht" findet sich vor allem eine vielzitierte Studie aus England, die Auswirkungen eines Handyverbots im Unterricht untersuchte: Die Autoren kommen zu der Erkenntnis, dass vor allem schwächere Schüler von einem Handyverbot profitierten, da in dieser Gruppe die Leistungen an Schulen mit Handyverbot besser ausfielen. (4)

Es stellt sich aus meiner Sicht jedoch die Frage, ob diese Art der Studien "weiterhelfen":  
Als einziges Kriterium der Unterscheidung der betrachteten Gruppen das vorhandene "Handy-Verbot" bzw. "nicht vorhandene Handyverbot" zu sehen und die Schulleistungen der Schüler der verschiedenen Schulen zu vergleichen, greift m.E. zu kurz. 

Inzwischen entwickeln einige Schulen sogenannte Medienkonzepte. Darin sind Ansätze wie "bring your own device" ("bringe Dein eigenes Gerät mit") teilweise enthalten. Die Nutzung der Handys oder Tablets ist dabei mitunter sehr differenziert geregelt. Bei solchen Ansätzen müssten in begleitenden Studien im Prinzip vor und nach Einführung des Digitalkonzepts verschiedene Kompetenzen abgefragt werden. Dabei könnten Messgrößen aus den Bereichen "schulische Leistung", "Sozialverhalten"oder "Medienkompetenz" beispielsweise bei verschiedenen Schwerpunkt-Konzepten unterschiedlich erfragt werden.


Digitalisierung im Unterricht: Studien zum genauen Einsatz zielführender als grobe Digitalisierungs- ja- nein Studien?


Viel spannender als die Frage, ob Handys oder andere Geräte erlaubt sind, finde ich die Frage nach der Art des pädagogischen Einsatzes digitaler Anwendungen in den jeweiligen Fachgebieten: bspw. Recherche, Funktionsweise und Umgang mit Suchmaschinen, Datenschutz und Privacy, Erstellen von Präsentationen, Social Media-Kompetenzen, digitale Kunst, künstliche Intelligenz, Robotik... .

Dabei interessiert aus meiner Sicht weniger die Frage, ob Digitalisierung im Unterricht eingesetzt wird, als ab welchem Alter und bei welcher Anwendung und in welchem Fach mit welchen Methoden und welchen Fragestellungen.

Wird Digitalisierung als Tool zur Präsentation einiger Lehrinhalte (Digitale Tafel oder bspw. 3D-Animationen im Bereich Naturwissenschaften) verwendet oder gestalten die Schülerinnen und Schüler selbst digital? Beides müsste in Studien getrennt betrachtet und für die jeweilige Situation (Bspw. Schulform, Jahrgangsstufe, Fach...) ausgewertet werden.


Künstliche Intelligenz zu gestalten fängt im Unterricht an.


Deutschland soll nach Wunsch der Bundesregierung KI-Standort (KI: Künstliche Intelligenz) werden. Drei Milliarden Euro will die Bundesregierung bis 2025 in Künstliche Intelligenz" investieren.

Aus meiner Sicht ist es dafür sinnvoll, Jugendliche im Schul-Unterricht an die Einsatzmöglichkeiten Künstlicher Intelligenz (bspw. Fahrerassistenz, Spam-Filter, Medizinische Diagnoseunterstützung...) sowie an mögliche Gestaltungsregeln mittelfristig heranzuführen. Nach dem Erreichen eines Verständnis, was Methoden der künstlichen Intelligenz sind, können fächerübergreifend verschiedene Aspekte thematisiert werden. Dazu zählen auch Ethik- und gesellschaftspolitische Fragen im Rahmen des Philosophie- oder Sozialwissenschafts-Unterrichts.

Ethik-Fragen zur Gestaltung der Künstlichen Intelligenz


Roberto Simanowski führt beispielsweise auf Zeit-Online ("Der Todesalgorithmus") (5) das häufig diskutierte Beispiel der Fahrerassistenz, einer künstlichen Intelligenz für selbstfahrende Autos, detailliert ethisch aus.  Als "Todesalgorithmus" bezeichnet er die Entscheidung darüber, ob ein selbstfahrendes Auto bspw. im Notfall eher "in eine Gruppe von Fußgängern, auf eine Mutter mit Kind oder doch gegen eine Hauswand fährt".

Die Schnittstellen zur künstlichen Intelligenz finden sich in zahlreichen Anwendungen in fast allen Unterrichtsfächern. Im Informatik-Unterricht ist es ggf. möglich, nach dem Erlernen grundlegender Methoden, erste Verfahren der KI in der Oberstufe kennenzulernen und ggf. zu programmieren.

Erlebnis: Ich kann mit IT gestalten!


Am schönsten ist aber meines Erachtens, das Erleben des Gestaltenkönnens anstelle des ausschließlichen Nutzens der Technologien. Die Erkenntnis: Ich kann entscheiden, was mein Progrmamm tut! Ich kann die Regeln bestimmen und dann die Erkenntnis gewinnen: "Da haben Menschen bereits Regeln bestimmt. Will ich diese Regeln?", "Entspricht das meinen Wertvorstellungen?", "Will ich das nutzen?", "Wie und wo kann ich die Regeln mitbestimmen?"

Es ist zugegebenerweise etwas absurd diesen Blogbeitrag über "Google Blogger" zu posten, aber naja, vielleicht ja ganz gezielt, wer weiß ;). Ich freue mich über Eure Gedanken!

Anmerkung: Ich habe mich unter anderem für diesen Blogpost von einigen Interviews mit Prof. Dr. Katharina Morik, Professorin an der TU Dortmund im Bereich Künstlicher Intelligenz, inspirieren lassen und versucht, mir ihre reflektierte Sichtweise auf Methoden der künstlichen Intelligenz aunzueignen.

Quelle:   
(1) DigitalPakt Schule (Bundesministerium für Bildung und Forschung): 
https://www.bmbf.de/de/wissenswertes-zum-digitalpakt-schule-6496.html

https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/ministerin-loehrmann-digitalpakt-ist-guter-baustein-fuer-moderne-schulen-im

(2) DigitalPakt Schule NRW: Bund-Länder-Vereinbarung:
https://www.land.nrw/de/pressemitteilung/bund-laender-vereinbarung-zum-digitalpakt


(3) Monitor digitale Bildung: Die Schulen im digitalen Zeitalter. Bertelsmann Stiftung (2017): https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/BSt_MDB3_Schulen_web.pdf

(4) Technology, Distraction & Student Performance Beland und Murphy 2015: 
http://cep.lse.ac.uk/pubs/download/dp1350.pdf

(5) Roberto Simanowsi: Künstliche Intelligenz: Der Todesalgorithmus. In Zeit Online. 2.10.2017
https://www.zeit.de/kultur/2017-09/kuenstliche-intelligenz-algorithmus-spam-autonomes-fahren






 






  

Samstag, 12. November 2016

Die Welt der Bildsprache von der Kindheit ins Erwachsenenalter mitnehmen.

Bildsprache in Sozialen Netzwerken 

Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften sind manchmal etwas zu "sperrig", um sie interessant und übersichtlich Eltern präsentieren zu können. Trotzdem sind viele Ergebnisse wertvoll und sollten nicht nur Fachkreisen zur Verfügung stehen. Deshalb habe ich angefangen, Erkenntnisse und Gedanken in einer Art "Bildsprache" über Twitter anzubieten. Gemeinsam mit Bildern haben meine Tweets mehr Aufmerksamkeit erregt. Dabei bekam ich Kontakt zur Eltern-Blogger-Szene, aber auch zur internationalen "Sketchnoter-Szene" und stellte fest, dass ich im Prinzip nichts anderes erstellte als sogenannte "Sketchnotes".

(Neuro-)Wissenschaft für alle durch Sketchnotes

Sketchnotes bezeichnen eine Art Bildsprache. Seit gut einem Jahr twittere ich nun fleißig unter @NeuroFuerEltern meine Werke, teilweise zum Themenfeld Neurowissenschaften, aber auch darüber hinaus.
Hier stelle ich ein Sketchnote-Beispiel von mir vor. Ich habe die Visualisierung zum Interview mit Manfred Spitzer im Radiosender DRKultur zum Thema "Digitalpakt Deutschland" vom 12.10.2016 erstellt:

Sketchnote zum Interview mit Manfred Spitzer im DRKultur am 12.10.2016 copyright J.Meyer.
Manfred Spitzer wird inzwischen stark dafür kritisiert, sich dafür einzusetzen, Kinder vor Medienkonsum schützen zu wollen. Nach Meinung vieler, verhindere er das Erwerben von Kompetenzen im Bereich Digitalisierung durch seine klare Positionierung. Eine differenzierte Betrachtung seiner rgumente bleibt dabei leider häufig aus. Das Einfordern von Studien, die den erfolgreichen Einsatz von digitalen Ansätzen im Unterricht belegen ist durchaus berechtigt. Daher habe ich die Sketchnote eines Interviews mit Manfred Spitzer als Anregung zur Diskussion aufgenommen.
  
Um zu erklären, was Sketchnotes sind, zitiere ich am liebsten Mike Rohde:

 

Mike Rohde: "Sketchnotes are ideas no art!"

Mike Rohde ist einer der großen Sketchnoter, den ich hiermit aus seinem berühmten Werk "The sketchnote handbook" zitiere: "Sketchnotes are ideas, no art!". Das bedeutet sinngemäß, dass jeder Mensch Sketchnotes erstellen kann, auch ohne Kunst- oder Design-Studium. Einzige Herausforderung ist, die Ideen bildhaft darzustellen. Genaugenommen haben Sketchnotes Menschen bereits zu Zeiten der Höhlenmalerei erstellt, vermutlich sogar intensiver als heute.

Das Bedürfnis Erwachsener zu malen, kommt mit dem Doodle-Trend wieder auf.

Das Bedürfnis zu malen, zu doodlen, zu kritzeln etc. ist größer denn je. Bekannte Buntstifthersteller mussten nachproduzieren, um der Nachfrage nachzukommen, da nun nicht nur Kinder, sondern auch Jugendliche und Erwachsene "doodlen". Meist sind in den Schreibwaren-Geschäften mit dem Begriff "Doodling" zunächst Ausmal-Mandalas zur Entspannung und leichten Kreativität gemeint. Immer mehr Erwachsene gehen jedoch über Mandalas hinaus und fangen an, selbst zu kritzeln und geben ihrer Kreativität noch mehr Ausdruck.

Kinder erstellen intuitiv Sketchnotes. Erwachsene verlernen meist diese Fähigkeit.

Kinder erstellen Zeichnungen ihrer Ideen ganz intuitiv, manchmal haufenweise, manchmal spärlicher, je nach Temperament. Leider geht diese Ausdrucksmöglichkeit im Erwachsenenalter bei vielen Menschen verloren. Dabei hilft eine Bildsprache sehr gut, Sachverhalte klarer zu verstehen. Berater nutzen visuelle Elemente häufig und nennen sich bspw. "Visual Coach" etc. Vorträge werden immer öfter professionell durch "graphic recording" mitgezeichnet. Alle diese Ansätze vereint die gemeinsame Bildsprache.

Ich begann also mit Mike Rohdes Werk in die Welt der Sketchnotes einzutauchen und konnte nicht mehr aufhören. Meine ganze Familie zog mit und wir zeigten uns gegenseitig stolz unsere Werke.
Ich begann Sketchnotes für Kinder zu erstellen, um die Kreativität der Kinder noch mehr anzuregen. Hier ein Beispiel:
Eine Sketchnote für Kinder. copyright J. Meyer Nov. 2016


Ich nehme bei Vorträgen durch Sketchnotes das für mich Wesentliche mit. 

 

Bei Veranstaltungen, Vorträgen etc. erstelle ich nun Sketchnotes und schreibe nicht mehr einfach nur mit. Dadurch nehme ich viel mehr Inhalte auf und erinnere mich mit einem Blick auf die Sketchnote, an das für mich Wesentliche.

Die Sketchnoterin Diana Meier-Soriat (www.sketchnotes-by-diana.com) hat über das Thema Sketchnotes in der Schule auf ihren Seiten gepostet. Sie bietet neben professionellem Graphic Recording auch Sketchnotes für Schulen an. Auch sie beschreibt wie wichtig es ist, die Fähigkeit des bildlichen Ausdrucks ins Erwachsenenalter zu retten.

Wahnsinniger Trend: Sketchnotechallenges, Sketchnotehangouts, Sketchnote Workshops, Sketchnote Bücher... 

Als ich Sketchnotes entdeckte, stieß ich als Erstes auf eine Sketchnotechallenge von Tanja Cappell alias @FrauHoelle bei Twitter, an der ich teilnahm. Später besuchte ich einen Workshop von ihr in Köln. Frau Hölle macht inzwischen auch ganz viel Handlettering und ist damit ziemlich bekannt geworden. Handlettering beshäftigt sich mit ansprechenden, handschriftlichen Schriftzügen.Viele Sketchnoter arbeiten mit interessanten Lettering-Elementen, die Inhalte gut transportieren können und die Aufmerksamkeit des Betrachters einfangen.

Auf der Suche nach meinem persönlichen Stil beobachtete ich unter anderem Mauro Toselli @xlontrax, dessen Stil ich mag, da er so klar, übersichtlich und ausgewogen ist. Ich nahm bei einem Sketchnote Hangout (@SN_hangout) teil, den Makayla Lewis, ebenso eine großartige Sketchnoterin, regelmäßig veranstaltet.  Mauro Toselli war in dieser Session Vortragender. Die Inhalte seiner Sketchnotes basieren auf scharfen Beobachtungen und wertschätzenden Details. Die Sketchnotes der von ihm gezeichneten drei Hände von Barack Obama, Hillary Clinton und Donald Trump verdienen meines Erachtens einen Preis. Seine "100+1 drawing ideas" wurden als Printform bereits über 700 mal verkauft und geschätzt.

Neugierig auf Sketchnotes geworden?

Wer sich für Sketchnotes interessiert, kann sich inzwischen einiges zunächst selbst beibringen.
Ich empfehle als erstes Werk Mike Rohdes "The sketchnote handbook.", das inzwischen auch in deutscher Sprache zur Verfügung steht unter dem Titel:

- "Das Sketchnote Handbuch: Der illustrierte Leitfaden zum Erstellen visueller Notizen".

In Deutschland gibt es ganz viele gute Sketchnoterinnen, deren Werke ich gerne beobachte:

- Das Blog von Diana Meier-Soriat bietet vor allem auch für Schulen tolle Informationen und Input, sowie Beispiel-Sketchnotes. Diana twittert auch ganz viele beeindruckende Sketchnotes.

- Ansonsten mag ich bei Twitter v.a. auch die Sketchnotes von (alphabetisch aufgelistet, ganz subjektiv zusammengestellt und bestimmt noch viele vergessen...) Andrea Brücken, Tanja Föhr Ania Groß,  Eva-Lotta Lamm, Sandra Martin und Katharina Theis-Bröhl. International gibt es noch ganz viele tolle weitere Sketchnoterinnen. Die männlichen Sketchnoter habe ich einfach einmal ausgelassen an dieser Stelle :).

- Mauro Tosellis 100+1 drawing ideas zeigt exemplarisch wie Alltagsgegenstände schnell verbildlicht werden können. Das Buch ist wahnsinnig günstig und lädt Groß und Klein zum Reinkritzeln ein.

- Die App "Rocketpicks" hat eine kleine Datenbank an einfachen Strichzeichnungen von vielen Gegenständen und Begriffen und kann schnell benutzt werden.

- Auf Twitter habe ich eine Liste erstellt, in der jeder sehen kann, welchen Sketchnotern ich folge. Hier könnt ihr Euch ganz viele verschiedene Sketchnote-Stile anschauen.

- Wenn ihr Instagram oder flickr nutzt, findet ihr unzählige Sketchnotes unter dem Suchwort Sketchnotes.

Material: Erlaubt ist alles was gefällt. Ich stelle Euch in einem anderen Post mal meine Lieblingsstifte und Blöcke vor. Es gibt auch digitale Möglichkeiten für Sketchnotes. Letzteres nutze ich nur gelgentlich.









Samstag, 19. September 2015

Erklärungswahl: Eichelhäher oder Vogel?

12 Monate alte Kinder mit Detailvorliebe haben einen größeren Wortschatz mit 18 Monaten als "kategorisierende" Kinder.

Sketchnote: J. Meyer

Wer Kindern einen Eichelhäher zeigt, steht schnell vor der "Erklärungs-Wahl":

1) Die präzise Erklärung mit Hintergrund ohne Kategorie:
"Das ist ein Eichelhäher. Der ist hier, weil hier so viele Eicheln herumliegen. Die mag der Eichelhäher so gerne."

2) Die rein kategoriesierende Erklärung: 
"Das ist ein Vogel. Siehst Du die Flügel? Damit kann der Vogel fliegen, so wie der Vogel dort auch." (Zeigen auf Amsel)

3) Die präzise Erklärung: 
"Das ist ein Eichelhäher. Danneben ist eine Amsel. Beides sind Vögel, die fliegen können."

4) Die persönliche Erklärung präzise, ggf. mit Kategorie:
"Das ist ein schöner großer Vogel. Er ist ganz besonders schön mit der blauen Feder. Deine Schwester hat mal so eine blaue Feder gefunden. Schau einmal wie der Vogel hüpft. Toll oder? Das macht er wie früher manche Dinos. Das ist übrigens ein Eichelhäher. Den mag ich besonders gerne... oh, wie schnell der landet".

5) Die beobachtende kategorisierende Erklärung mit Motorikeinsatz:
"Guck einmal der Vogel. Der kann fliegen (Eltern flattern mit den Armen). Kannst du das auch? (Kind wedelt mit den Armen). Jetzt sind wir auch Vögel oder? Ui, ob der Ast den kräftigen Vogel aushält? Was meinst du? Puh, aber der kann ja wegfliegen und fällt nicht auf den Po. (Kind lässt sich fallen und lacht)"

usw. 

Diese Auflistung ließe sich mit beliebigen Kombinationsmöglichkeiten fortsetzen. Jeder findet sich dort irgendwie wieder. Die persönliche Erklärung manchmal mit Kategorie, manchmal präzise, ganz nach Situation, hat es mir zugegebenerweise besonders angetan.

Nebenbei gehen mir aber auch Überlegungen aus dem Mathematikunterricht, der Mengenlehre durch den Kopf. Bringe ich meinem Kind besser erst einmal die grobe Kategorie bei? Ist es wichtig, diese Kategorie bspw. "Vögel" schon zu bilden? Oder sollte ich ruhig schon mehr ins Detail gehen und Kategorien, Kategorien sein lassen? Interessiert das ein 12 Monate altes Kind überhaupt schon? Überfordere ich es mit zu viel Details?

Sprechen soll schließlich Spass machen, also bleibe ich bei der persönlichen Erklärung, manchmal auch mit Motorikeinsatz, da mir das am besten so gefällt.

Die mit 12 Monaten stärker kategoriisierenden Kinder haben mit 18 Monaten einen kleineren Wortschatz als die präziser sprechenden Kinder



Mich freut es, dass Forscher sich mit dieser, mir immer wieder im Kopf schwebenden, Frage nun beschäftigt haben: Laut einer aktuellen  amerikanisch-schweizerischen Studie können diejenigen Kinder, die mit 12 Monaten das präzisere Sprachverständnis haben und weniger kategorisieren, mit 18 Monaten mehr Wörter verstehen und sprechen, als diejengen Kinder, die stärker kategorisieren.

Das Forscher-Team um Brock Ferguson von der Psychologischen Fakultät der Northwestern University hat hierzu (leider nur) 24  Kinder im Zeitraum zwischwen dem 12. und 18. Lebensmonat beobachtet und kam zu diesem teils überraschenden Ergebnis. Was Ursache und was Wirkung ist, ist dabei noch unklar. Es stellt sich die Frage, ob bestimmtes Verhalten der Eltern zu bestimmtem Lernverhalten der Kinder führt oder ob die Kinder von sich aus bspw. eher "Kategorisierer" oder aber "Detailverliebte" sind. Vielleicht ist es aber auch ein Wechselspiel aus Erlerntem und Angeborenem.

Das Ergebnis der Studie von Brock Ferguson und seinem Team überraschte insofern, da ein Kind, das Kategorien schnell bliden kann, schließlich auch viel gelernt hat und man annehmen könnte, dass es auch sprachlich im Vorteil sein müsste. Bezüglich des Wortschatzes ist es in diesem Fall aber anders. Die Detailvorliebe zahlt sich bzgl. des Wortschatzes aus. Dennoch ist die kognitive Leistung, sowohl einen Eichelhäher als auch bspw. einen Strauß als "Vogel" zu erkennen bei den "Kategorisierern" unter Umständen bereits vorhanden.

Dennoch schließe ich mutig aus der Studie: Wir können ganz beruhigt, Babies Eichelhäher-Details zumuten. Vielleicht hilft es dem Wortschatz auf die Sprünge. Die Kinder melden sich gewiss, wenn es langweilig wird... .

Quelle:
http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2015.01319/full





Montag, 22. Juni 2015

Biologische Diskriminierung?

Der Chronobiologe Till Roenneberg äußerte sich zum einheitlichen Unterrichtsbeginn aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland um 8 Uhr morgens gegenüber der Süddeutschen Zeitung mit den Worten

"Das ist eine biologische Diskriminierung."

 

Mir persönlich erscheinen die Worte des bekannten Chronobiologen etwas extrem. Die Bezeichnung "Diskriminierung" ist zwar korrekt gewählt im Sinne der Benachteiligung einiger Gruppen, jedoch ungewohnt scharf in einem solchen Zusammenhang. Ich stimme ihm aber weitgehend inhaltlich zu. Eine Diskussion zu angepassten Schulzeiten sollte gestartet werden. Anstatt das Thema im Detail auszuführen, habe ich mich für folgende Sketchnote entschieden:






Sonntag, 10. Mai 2015

Marshmallow-Test und Selbststeuerung?

Selbststeuerung bei Kindern.


(aktualisiert 3.7.2018) Die Selbststeuerung oder auch Selbstregulation bleibt ein beliebtes Forschungsthema in den Neurowissenschaften.

Der Freiburger Neurobiologe Joachim Bauer veröffentlichte 2015 sein Buch mit dem Titel "Selbststeuerung - Die Wiederentdeckung des freien Willens". Das Buch ist eine Ode daran, Anstrengungen auf sich zu nehmen für längerfristigen persönlichen Erfolg und erfüllende soziale Beziehungen. Die Mai-Ausgabe der Zeitschrift Eltern widmete 2015 eine ganze Seite dem Interview mit ihm. Verena Carl entlockte Joachim Bauer einige Einblicke in sein neues Werk (2).

Fehlende Selbstkontrolle löst Stress aus und steht Schulerfolg im Weg...

Doch wozu benötigen wir Selbststeuerung als Verhalten? Fehlende Selbststeuerung führt zwangsläufig zu Stress: Informationen treffen uns ungefiltert, unsere Aufmerksamkeit wandert von einem zum nächsten Thema genauso wie unsere Wünsche. Zudem ist es ohne Selbststeuerung kaum möglich, mittel- oder langfristige Ziele zu erreichen bzw. Freundschaften zu halten. Joachim Bauer zitiert zudem im Eltern-Interview die berühmte Studie zum späteren Schulerfolg derjenigen Vierjährigen, die bereit waren, auf eine sofortige Süßigkeit zu verzichten, um später zwei Portionen zu erhalten.

Erkenntnisse des Marshmallow-Test zeigen eigentlich Auswirkung der Bildungsherkunft der Eltern

Diese Studie wurde nun aktuell zum Teil in Frage gestellt. Tyler Watts und seine Kollegen wiederholten das Marshmallow-Experiment noch einmal und stellten fest, dass der Effekt eigentlich zum größten Teil auf die Bildungsherkunft der Eltern zurückzuführen ist. (6, 7) Kurz: Diejenigen Kinder, deren Eltern keinen "College"-Abschluss hatten, taten sich tendenziell schwerer, eine kurze Zeitspanne abzuwarten, um einen zweiten Marshmallow zu erhalten. Unter Zeit-Online findet sich ein Artikel mit der Überschrift "Der Marshmallow entmachtet" (7). Hier finden sich einige genauere Informationen zum Experiment von Watts.

Selbststeuerung passiert im Frontalhirn

Die Selbststeuerung wird grundsätzlich als Funktion unseres Stirnhirns (auch Frontalhirn oder präfrontaler Cortex genannt) verortet. Im Frontalhirn laufen komplexe Sinneseindrücke und Impulse aus früher ausgereiften Hirnregionen zu einem Gesamtbild zusammen. Daraus entwickeln wir teils komplexe Handlungsabläufe. Der bekannte Neurowissenschaftler Gerald Hüther schreibt hierzu:
"Unser Frontalhirn ist die Hirnregion, in der wir uns am deutlichsten von Tieren unterscheiden. Und es ist die Region, die in besonderer Weise durch den Prozess strukturiert wird, den wir Erziehung und Sozialisation nennen." (3)

Das Frontalhirn ist bei Kindern noch nicht so stark ausgereift

Bei Kindern ist das Frontalhirn im Vergleich zu anderen Regionen noch nicht so gut ausgereift. Es wird diskutiert, ab wann der Bereich "betriebsbereit" ist. (2)  Neueste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass erste Lernerfolge bspw. im Themenfeld "Theory of Mind" bereits im Kleinkindalter stattfinden. Ein aktueller Spielgel-Artikel (3/2018) beschäftigt sich mit dem Thema "Theory of Mind" bei Kindern, der Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen. (5)

 Theory of Mind: Die Fähigkeit sich in andere hineinzuversetzen

Das Frontalhirn, das für die Fähigkeit zur "Theory of Mind" aber auch zur Selbststeuerung maßgeblich beiträgt, ist besonders anfällig bei Ermüdung und bei Abfall des Blutzuckerspiegels. Der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer verweist in seinem Buch "Digitale Demenz" auf eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Urteilsfähigkeit und Blutzuckerspiegel bei Richtern nachwies und argumentierte, dass dieser Einfluss auf die Frontalhirnaktivität bei Kindern noch stärker zu vermuten sei, da deren Frontalhirne noch weniger ausgebildet seien.

Doch kann Selbststeuerung überhaupt erlernt werden? 

Es stellt sich die Frage, ob Selbststeuerung erlernt werden kann oder ob dieser wenig greifbare "Lernbereich" nur nebenbei "abfällt". In den folgenden acht Punkten habe ich einige aktuell empfohlene und größtenteils nachgewiesene Strategien der renommierten Neurowissenschaftler zusammengefasst:

1) Die Fähigkeit vorleben! Dort, wo es nicht gelingt, darf man aber ehrlich sein und Fehler zugeben. Also bspw. die eingehende SMS erst nach dem gemeinsamen Buch mit dem Kind lesen, sofern keine dringenden Informationen erwartet werden. (u.a. Joachim Bauer, Gerald Hüther)

2) Gut und gesund frühstücken, um den morgentlichen Blutzuckerabfall zu verhindern. (Manfred Spitzer)

3) Fernsehen, vor allem mit schnell wechselnden Szenen und Computerspiele lösen nachweislich Aufmerksamkeitsstörungen aus. Selbssteuerung ist das Gegenteil von Aufmerksamkeitsstörungen. (Manfred Spitzer)

4) Kinderwünsche ernst nehmen! Gibt es Gründe, dass ein Wunsch nicht oder später erfüllt werden kann, dann ist eine kurze und klare Begründung angesagt. Das Kind lernt bestenfalls, dass sich Warten lohnt.

5) Aussprüche wie "Konzentrier Dich!" "Sei vernünftig!", "Reiß Dich zusammen!" bringen nichts. Da schalten die Kinder ab. Sie fühlen sich unter Druck gesetzt und können u.U. mit den Begriffen nichts anfangen (Gerald Hüther).

6) Übermäßiges (materielles) Loben vermeiden. Das Kind lernt sonst nicht aus eigenem Willen sich zu regulieren. (Gerald Hüther)

7) Übertriebene Ansprüche an das Kind führen unter Umständen zu Angst und Misserfolg.

8) Spielräume schaffen, um Selbststeuerung zu lernen: Entscheidungsspielräume zu Freizeitaktivitäten oder Süßigkeitenkonsum können "Aha-Effekte" bewirken. Frustrationen können ausgehalten werden, um spätere Erfolge besonders wertzuschätzen.
 
Und allen, denen es geht wie mir, die denken "Hm, das könnten meine auch nicht...." hier zur Beruhigung: Die Kinder im Marshmallow-Experiment mussten nur mindestens 20 Sekunden warten können, um einen zweiten Marshmallow zu erhalten. Könnte sein, dass unsere das schaffen (oder ?!?) und wenn nicht: Es sind nur mathematische ungefähre Zusammenhänge (Korrelationen...), die keinen direkten Schluss zu späterem Schulerfolg bei einzelnen Kindern zulassen :) . Puh...

Quellen: 
1 Joachim Bauer: Selbststeuerung - Die Wiederentdeckung des freien Willens.
2 Zeitschrift Eltern. Ausgabe Mai 2015. S.32. Interview Verena Carl mit Joachim Bauer.
3 Gerald Hüther, Cornelia Nitsch: Wie aus Kindern glückliche Erwachsene werden.
4 Manfred Spitzer: Digitale Demenz: Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen.
5 Johan Grolle(2018)  Was macht den Menschen zum Menschen? Spiegel Online
6 Watts, T. et al. (2018) Revisiting the Marshmallow Test: A Conceptual Replication Investigating Links Between Early Delay of Gratification and Later Outcomes
7 Simmank, J. (2018): Selbstkontrolle: Der Marshmallow entmachtet vZeitonline

Dienstag, 7. April 2015

10 Elternerfahrungen mit der Känguru-Methode

Känguru-Methode: Besser selbst dabei nicht schlafen.

Skin-to-skin, also Haut-auf-Haut liegt das Baby bei der Känguru-Methode. Die Methode hat bei Neugeborenen zahlreiche belegte positive Effekte. Besonders bei Frühgeborenen kommt das "kangarooing" zum Einsatz. 

 

Väter haben mit dem Kind Haut-auf-Haut die Chance, die ersten Stunden ganz nah und aktiv dabei zu sein. 

 

Doch welche Erfahrungen machen Eltern beim "kangarooing"?


Emma berichtet in ihrem Blog "The Mom in Me, MD", nicht ohne stolz, wie sie neun Wochen lang in der Frühgeborenenstation, ihrem Baby mit der Känguru-Methode, Wärme und Geborgenheit geboten hat.

Gleichzeitig warnt sie ihre Leserschaft vor dem plötzlichen Kindstod und empfiehlt, die Känguru-Methode in die Tagesroutine einzubauen, wenn die Eltern selbst wach sind.


Bloggerin Emma empfielt Känguru-Methode in die Tagesroutine einzubauen.

 

Tatsächlich raten Experten schon lange, Kinder nicht im Elternbett schlafen zu lassen (bspw. Präventionskampagne des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen). Daher wird von der Kängeruhmethode mit schlafendendem Elternteil ohnehin abgeraten.

Eine Schwedische Forschergruppe um Agneta Anderzén-Carlsson von der Örebro Universität hat bestehende Studien über die Erfahrungen der Eltern bei der Känguru-Methode betrachtet und die Ergebnisse zusammengefasst. Dabei haben sie u.a. von folgenden 10 stärkenden und belastenden Eltern-Erfahrungen berichtet:

10 Eltern-Erfahrungen bei der Känguru-Methode:


1) Kangarooing baut Eltern auf. Es wirkt wie ein Stärkungsmittel für die Eltern und bereitet sie darauf vor, die volle Verantwortung für ihr Kind zu übernehmen. Es gibt den Eltern das Gefühl, wichtig zu sein für ihr Kind und bereitet die Klinikentlassung vor.

2) Eltern berichten, dass die Känguru-Methode nicht nur die Bindung zum Kind erhöhe, sondern auch zum Partner. Die Zusammengehörigkeit als Familie wurde stärker empfunden.

3) Einige Eltern fühlten sich aber auch vor Klinikpersonal oder Besuchern bloßgestellt durch fehlende Privatsphäre.

4) Manche Eltern fühlten sich körperlich eingeschränkt oder belastet durch das intensive kangarooing vor allem während der Nacht.

5) Väter, die aus organisatorischen Gründen von der Känguru-Methode abgehalten wurden, fühlten sich frustriert und hilflos, da sie nicht - wie gewünscht - mit ihrem Kind interagieren konnten.

6) Obwohl sich manche Eltern bloßgestellt fühlten, schätzten diese meist dennoch das kangarooing als wichtig ein. Sie beschrieben unter anderem die Känguru-Methode als gut für die kindliche Entwicklung und für das Aufbauen des Stillens.

7) Eltern empfinden die Kängeruh-Methode als Möglichkeit, ihr Kind zu beschützen, bspw. auch vor Infektionen. Sie berichten, den Eindruck zu haben, dass das Kind sich so sicherer fühle.

8) Manche Eltern berichten, dass die Kängeru-Methode für sie auch belastend gewesen sei, da sie sich sorgten, das Kind zu verletzen.

9) Einige Eltern sorgten sich, ob die Methode Geschwisterkinder emotionell verletzen könne, die sich zurückgesetzt fühlten.

10) Eltern berichten, dass die Känguru-Methode helfe, sich emotionell zu erholen bspw. von der Erfahrung einer Frühgeburt.

 

Die Känguru-Methode als Chance für Väter.


In den Studien wurden zusammengenommen 401 Mütter und 94 Väter befragt. Väter berichten häufiger, dass sie die Methode nicht gerne vor Klinikpersonal durchführten, sondern bspw. lieber zu Hause. Gleichzeitig berichten sie, dass sie sich frustriert fühlten, wenn sie von Personal abgehalten wurden.

Insbesondere bei Kaiserschnittgeburten haben Väter häufig zuerst die Chance, dem Kind nah zu sein, manchmal noch vor der Mutter.

Leider sind Väter derzeit in den Studien zur Känguru-Methode unterrepräsentiert.

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Ich freue mich über jeden Bericht.


Quellen:
Emmas Blog The Mom in Me, MD

Sicherer Babyschlaf: Präventionskampagne NRW

 Anderzén-Carlsson et al. (2014): Parental experiences of providing skin-to-skin care to their newborn infant--part 1: a qualitative systematic review.

Anderzén-Carlsson et al. (2014): Parental experiences of providing skin-to-skin care to their newborn infant - Part 2: A qualitataive systematic review

Sonntag, 15. März 2015

Loben! Loben!! Zu viel gelobt???

Folgen der Überbewertung des eigenen Kindes...?

Wir alle loben unsere Kinder dafür, tolle Bilder zu malen, den eigenen Namen zu schreiben, den Tisch abzuräumen, ein trauriges Kind zu trösten, dem kleinen Geschwister zu helfen, die Jacke anzuziehen, "Erster" zu sein, tapfer zu sein, beim "Letzter" sein, mutig zu sein, beim ersten Kindergeburtstag... und das ist auch gut so und passiert ganz aus dem Bauch heraus.

Unser Gefühl sagt uns ganz klar, "Lob baut auf", "macht stark", "muss sein" und macht Eltern und Kindern auch Spass. Aber irgendwie ist uns auch klar: "Mit Lob steuern wir unser Kind."

Einem kleinen Mädchen immer wieder zu sagen, wie schön oder niedlich es ist, wird es darin bestärken, dass es auf das Schönsein und Niedlichsein ankommt. Das tun glücklicherweise die Wenigsten von uns ... oder doch etwa? Einem Mädchen immer wieder zu sagen wie klug es ist, wird es überzeugen, dass es klug ist, auch ohne etwas dafür zu tun. Aber einem Kind nie zu sagen, dass es schön ist, hat vielleicht auch Folgen. Es kommt also ganz klar darauf an, wie oft, wie und was gelobt wird.

Wie viel Lob ist gut? Welches Lob ist gut für unser Kind?


Neuere Forschung, Medien und Eltern beschäftigen sich zurzeit genau mit diesen Fragen: "Wieviel und welche Art Lob ist gut für unsere Kinder?"

An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich für die tolle Diskussion auf Twitter mit @MamamaniaBlog, @Papa_mit_Hut, @gutekinderstube und @lukaano!

Hier fasse ich mal in Stichworten aktuelle Erkenntnisse und vorherrschende Meinungen zusammen:

1) Zu viel Lob kann ungünstigen Einfluss haben. Kinder, die im Vergleich zu Altersgenossen sehr viel gelobt wurden, entwickeln eher narzisstische Persönlichkeitszüge als diejenigen die etwas weniger gelobt wurden. Zudem kann ständiges Lob wie eine ständige Bewertung wirken und ggf. Perfektionsdruck aufbauen.

2) Überbewertung des eigenen Kindes kann bei Kindern zu selbstbezogenen Denkweisen führen. "Mein Kind verdient etwas Besonderes..." steht häufig in Zusammenhang zu "Ich bin anderen überlegen"

3) Kinder wollen vor allem Aufmerksamkeit. Nicht immer ist ein Lob notwendig, sondern Zuwendung und Auseinandersetzung. Ein Kind freut sich manchmal mehr darüber, erklären zu dürfen, was es gemalt hat und warum, als über ein "Toll gemacht!" oder "Super!".

4) Eltern, die Anstrengung loben, unterstützen das Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein von Kindern. Es scheint also günstiger zu sein, ein Kind für eine Anstrengung zu loben oder prozessorientiert zu loben, als für einen "kleinen Geniestreich".

5) Aufbauende Kritik ist auch wichtig. Kritik kann gut verpackt sein und Lob kann auch vergiftet sein.... "Jetzt hast Du es ja doch noch geschafft "Danke" zu sagen, siehste geht doch..." (O-Ton Spielplatz) ist zwar ein Lob, aber würdigt das Kind nicht gerade.
Wenn etwas Zeit vorhanden ist: "Bei dem Hasen ist das schwierig, die Beine zu malen oder? Sollen wir das mal zusammen ausprobieren?"

6) Authentisch und konkret gelobt ist hilfreicher als pauschal und als Technik, um bestimmtes Verhalten zu erwirken und zu steuern. Langfristig durchschauen Kinder das...
 
Ich freue mich über Eure Ergänzungen, Kritik und Meinungen zu dem kontroversen Thema!

Quellen:
http://www.pnas.org/content/early/2015/03/05/1420870112

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cdev.12064/abstract

http://www.faz.net/aktuell/wissen/narzissmus-und-der-gute-freud-kinder-wie-ich-verdienen-etwas-besonderes-13474927.html

http://www.t-online.de/eltern/kleinkind/id_62127664/erziehung-falsches-loben-kann-kindern-schaden.html

http://news.uchicago.edu/article/2013/02/12/parents-who-praise-effort-can-bolster-children-s-persistence-self-belief

http://www.spiegel.de/spiegelwissen/kinder-brauchen-motivierendes-lob-und-aufbauende-kritik-a-955404.html

Freitag, 20. Februar 2015

Babyschlaf und Gedächtnis: Dr. Sabine Seehagen im Gespräch!

Dr. Sabine Seehagen

Dr. Sabine Seehagen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum. Mit ihrer aktuellen Studie zur Gedächtnisbildung bei Säuglingen sorgte sie gemeinsam mit ihrem Team für internationales Aufsehen.



NeurofuerEltern:
Für uns Eltern ist Schlaf vor allem bei Babies und Kleinkindern ein ganz großes Thema.
Was passiert denn, wenn Babies schlafen?


Seehagen: Der Schlaf besteht bei Kindern und Erwachsenen aus verschiedenen Phasen. Man
unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen R.E.M. und nicht-R.E.M.-Schlaf. Im R.E.M. Schlaf haben die Kinder zum Beispiel mehr Muskelspannung und da wird auch geträumt. Im nicht R.E.M. Schlaf ist das Kind still und die Augen bewegen sich nicht. Hier werden dann vier Stadien unterschieden: Bei Stadium drei und vier spricht man von Tiefschlaf. Im Tiefschlaf sieht man ganz ruhige Wellen(slow-waves) im EEG. Man geht davon aus, dass in den unterschiedlichen Stadien unterschiedliche Gedächtnisprozesse aktiv sind.

NeurofuerEltern: In dieser Tiefschlafphase passiert bei Säuglingen dann etwas ganz Spannendes?

Seehagen: Aus der Erwachsenenforschung weiß man, dass unterschiedliche Gedächtnisformen, z.B. Ereignisse und Fakten (sogenanntes deklaratives Wissen) oder bestimmte Fähigkeiten, motorische Routinen (nicht deklaratives Wissen) auf verschiedene Weisen abgespeichert werden. Das deklarative Wissen, das wir in der aktuellen Studie erfasst haben, wird vor allem in der Tiefschlafphase verarbeitet.

„Nur Kinder die mindestens eine halbe Stunde im Zeitfenster von vier Stunden nach Gelerntem schliefen, erinnerten sich an die Handlungen.“


NeurofuerEltern: Erzählen Sie uns von Ihren Ergebnissen…

Seehagen: Wir waren inspiriert von der Forschung, die seit Jahrzehnten bei Erwachsenen stattfindet, bei der festgestellt wurde, dass wenn man etwas lernt und dann darüber schläft, sich an mehr erinnert als ohne anschließenden Schlaf. So etwas Ähnliches haben wir versucht, mit kleinen Kindern umzusetzen. Wir haben die sechs und 12 Monate alten Kinder Etwas kindgerecht lernen lassen, indem wir ihnen Handlungen mit Handpuppen gezeigt haben. Ein Teil der Kinder hat in den folgenden vier Stunden mindestens eine halbe Stunde geschlafen und die andere Hälfte nicht, bzw. weniger als eine halbe Stunde. Dann haben wir geschaut, was machen sie von den Handlungen nach, die wir gezeigt haben. Wir haben herausgefunden, dass nur die Kinder, die mindestens eine halbe Stunde geschlafen haben, sich dann auch im Vergleich zur Kontrollgruppe mehr an die Handlungen erinnert haben. Das war sogar auch zu einem späteren Zeitpunkt der Fall. An dem darauf folgenden Tag, an dem dann alle Kinder geschlafen hatten, konnten weiterhin nur die Kinder sich erinnern, die unmittelbar innerhalb von vier Stunden nach dem Gelernten geschlafen hatten. Das deutet darauf hin, dass der Schlaf direkt nach dem Lernen sehr wichtig ist.

NeurofuerEltern: Ist das nur bei Babies so oder auch bei älteren Kindern und Erwachsenen?

Seehagen: Es gibt auch Hinweise darauf, dass der anschließende Schlaf nach Gelerntem für Erwachsene gut ist. Man weiß aber noch nicht so viel über die Zeitfenster. Es gibt auch Studien mit Kindergartenkindern, in denen gezeigt werden konnte, dass ein Nickerchen nach dem Lernen gut ist. Man geht davon aus, dass die Erinnerungen im Schlaf von einem temporären in einen Langzeitspeicher übertragen werden. Die Autoren gehen davon aus, dass der temporäre Speicher bei Kindern noch nicht so groß sei, so dass Kinder häufiger schlafen müssen. Das macht natürlich Sinn, da vor allem Säuglinge sehr häufig und viel im Tagesverlauf schlafen. Es ist aber nicht so klar, wie lange wir warten können, bis wir schlafen, um uns zu erinnern. Erwachsene haben sicher ein größeres Zeitfenster. Wir erinnern uns auch an Dinge, die wir morgens gelernt haben am Folgetag.

NeurofuerEltern: Welche Konsequenzen ziehen Sie aus Ihren Ergebnissen für Kinder, die teilweise ja auch schon vor dem ersten Lebensjahr in öffentlichen Einrichtungen betreut werden, aber auch für Kinder im häuslichen Umfeld?

Seehagen: Das ist schon sehr spekulativ direkte Schlussfolgerungen zu ziehen. Zunächst haben wir den Befund, dass Schlaf der Erinnerung hilft. Jedes Baby hat ja auch unterschiedliche Bedürfnisse. Manche schlafen von Anfang an sehr wenig, manche ganz häufig. Man kann als Eltern da gar nicht besonders lenken. Das wollen wir auch nicht vermitteln. Aber was wir (sehr spekulativ) gedacht haben, ist, dass man gegebenenfalls davon absehen könnte einen zu sehr geregelten Tagesablauf zu haben und vorauszusehen wann das Baby schläft. Vielleicht sollte man dann gegebenenfalls auch mal ein Auge zudrücken und den geregelten Tagesablauf, wenn beispielsweise viel los war, sein lassen. Vielleicht braucht das Gedächtnis jetzt erst einmal eine Pause und muss verarbeiten bevor es weiter gehen kann. An Tagen, an denen nicht so viel los war, könnten eventuell die Kinder länger wach bleiben. Den Tagesablauf mit seinen Schlafphasen immer gleich zu halten, könnte aus der Gedächtnisperspektive schwierig zu vertreten sein.

„Den Tagesablauf mit seinen Schlafphasen immer gleich zu halten, könnte aus der Gedächtnisperspektive schwierig zu halten sein.“



NeurofuerEltern: Also wäre es sinnvoll, flexiblere Schlafenszeiten auch in Betreuungseinrichtungen zu erlauben?

Seehagen: Ja genau. Das war eine Idee die man verfolgen könnte in zukünftigen Studien. Das direkte Ableiten aus der vorliegenden Studie allein wäre schwierig.
Das andere, was wir uns überlegt haben, ist folgendes: Wenn Kinder gerade geschlafen haben, denken Eltern schnell, dass sie jetzt ausgeschlafen und aufnahmebereit für bestimmte Dinge sind. Aber es wäre nicht verkehrt auch das Ende der Wachphase, wenn Eltern denken, „Jetzt ist es allmählich Zeit schlafen zu gehen“, zu nutzen, denn die Zeit bleibt ganz gut hängen! Aktivitäten wie Bücher lesen könnte man sehr gut abends machen. Das wäre nicht so anstrengend aber eventuell eingängig. Zur Sprachverarbeitung gibt es bei 9 bis 16 Monate alten Kindern eine aktuelle Studie von Manuela Friedrich und ihren Kollegen, die auch die Relevanz des Schlafen nach dem Gelernten belegt.


NeurofuerEltern: Wäre es somit sinnvoll, motorische Dinge eher mit einem ausgeschlafenen Kind durchzuführen und die „intellektuelleren“ Tätigkeiten kurz vor dem Schlafen?

Seehagen: Ja. Das ist eine ganz spannende Frage! Motorische Routinen, die ja nicht deklaratives Wissen darstellen, müssen ja auch im Gedächtnis gespeichert werden. Aber dazu gibt es bei Säuglingen und Kleinkindern noch überhaupt keine Forschung! Die Frage ist auch hier, ob der Schlaf dann schnell kommen muss oder später. Das wird noch spannend sein, das herauszufinden.

„Dazu gibt es bei Säuglingen und Kleinkindern noch gar keine Forschung! Da sind aber einige Arbeitsgruppen dran.“


NeurofuerEltern: Die Frage wäre, ob alles (Motorisches und Sprachfähigkeiten etc.) dann gleichzeitig oder nacheinander zu bestimmten Zeiten im Wachfenster gelernt werden müssen…

Seehagen: Es könnte auch sein, dass das nicht-deklarative Gedächtnis ein größeres Zeitfenster erlaubt. Meines Wissens ist das ein ganz neues Gebiet, weil es nicht so leicht ist, geeignete Aufgaben mit den Kindern durchzuführen. Da sind aber einige Forschungsgruppen dran. Da wird es sicher interessante Ergebnisse in den nächsten Jahren geben. Im Januar ist bspw. erst eine Studie zu Sprachwissen und Gedächtnisbildung erschienen.

NeurofuerEltern: Warum haben Sie die Versuche mit den Babies im häuslichen Umfeld durchgeführt? Das ist ja schon ein besonderer Versuchsaufbau, der nicht so häufig vorkommt? Was war das Spannende dabei?


„Ich bin seit fast 10 Jahren in der Babyforschung und finde es faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die Babies sind.“


Seehagen: Wir haben gedacht, dass Hausbesuche sich am besten in den Tagesablauf einbetten. Da wir die Babies zweimal sehen, ist das ja auch ein größerer Aufwand für die Eltern. Zudem schlafen Babies im Auto sehr gerne ein… . Ich bin jetzt seit fast 10 Jahren in der Babyforschung dabei und finde es faszinierend, zu sehen wie unterschiedlich die Babies von klein auf sind. Das hat nichts mit „normal“ oder „unnormal“ zu tun, sondern ist einfach eine Wahrnehmung: Die Spannbreite ist riesig. Die einen können schon ganz früh krabbeln, die andern plappern ganz früh, manche sind ganz schüchtern, manche ganz lebhaft und wenn man sie dann ein paar Monate später sieht, denkt man „da hat sich so viel getan“. Das hat zwar nichts mit der Studie zu tun, aber meine Erfahrung bei der Beobachtung ist, dass sich ganz viele Dinge, die die Eltern sorgen, ganz von allein mit der Zeit ergeben.


Quellen:
S. Seehagen, C. Konrad, J. S. Herbert, S. Schneider (2014): Timely sleep facilitates declarative memory consolidation in infants, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1414000112

Friedrich, M., Wilhelm, I., Born, J., Friederici, A. D. „Generalization of word meanings during infant sleep“. Nature Communications doi:10.1038/ncomms7004
http://www.nature.com/ncomms/2015/150129/ncomms7004/full/ncomms7004.html

Samstag, 7. Februar 2015

Ein ausgeschlafenes Kind lernt mehr?

Handpuppenspieltest zeigt:
Schlaf ist wichtig für die Bildung des Langzeitgedächtnisses
Foto: Dr. J. Meyer 2015
Ein ausgeschlafenes Kind lernt nach einem Mittagsschlaf mehr? Stimmt so nicht. Genau genommen sprechen neueste Forschungsrgebnisse dafür, dass es genau anders herum sein könnte: Ein Kind, das kurz vor dem Mittagsschlaf steht, dessen letztes Schläfchen länger her ist, hat mehr Chancen zu lernen!

Forscherinnen um Dr. Sabine Seehagen (Ruhr-Universität Bochum) zeigten aktuell, dass Kinder im ersten Lebensjahr sich besser an Gelerntes erinnerten, wenn sie kurz nach dem Gelernten mindestens eine halbe Stunde schliefen.

Dazu besuchte das Forscherteam die 216 Säuglinge im Alter von sechs bis 12 Monaten jeweils zwei Mal zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung entweder kurz vor oder nach dem Mittagsschlaf.

Sie spielten den Kindern mit Handpuppen bestimmte Handlungen vor. Beim zweiten Besuch nach vier bzw. 24 Stunden schauten sie, welche Handlungen die Kinder nachahmten.

Handpuppenspieltest: Kinder die nach Gelerntem geschlafen haben, erinnerten sich.


Seehagen und ihre Kolleginnen konnten zeigen, dass Kinder die bis zu vier Stunden nach dem Puppenspiel mindestens eine halbe Stunde schliefen, deutlich mehr Erinnerungen zeigten als Kinder, die in diesem Zeitfenster nicht schliefen. Das Ergebnis trat sowohl nach 4 als auch nach 24 Stunden auf.

Die Kinder mit und ohne Mittagsschlaf nach dem Puppenspiel wurden jeweils mit einer Kontrollgruppe von Kindern verglichen, denen beim ersten Besuch keine Handlungen mit den Handpuppen gezeigt wurden. In dieser Gruppe konnte beobachtet werden, wie die Kinder spontan reagierten, wenn sie die Puppen sahen. Anschließend konnten beide Gruppen mit der Kontrollgruppe verglichen werden.

Die Kinder, die entsprechend geschlafen hatten, zeigten somit gegenüber der Kontrollgruppe mehr Handlungen, die an das Handpuppenspiel erinnerten. Die Kinder, die nicht geschlafen hatten, zeigten gegenüber der Kontrollgruppe ohne Puppenspiel mehr Ähnlichkeit im Verhalten.

 

Schlaf ist wichtig für Langzeitgedächtnisbildung.

 

Die Forscherinnen schließen aus den Ergebnissen, dass der Schlaf nach Gelerntem für die Bildung des Langzeitgedächtnisses äußerst wichtig ist. Doch was bedeuten die Ergebnisse für Eltern und Kitas, die Kleinkinder und Säuglinge betreuen?

Dr. Sabine Seehagen im Gespräch mit NeurofuerEltern


S. Seehagen, C. Konrad, J. S. Herbert, S. Schneider (2014): Timely sleep facilitates declarative memory consolidation in infants, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1414000112

Dienstag, 20. Januar 2015

Geplanter Geburtszeitpunkt beeinflusst Babys Entwicklung

Geplante Geburt: Jeder Tag zählt...
Foto: Dr. Jennifer Meyer
Kinder, die nach Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, gelten nach dem Diagnoseklassifikationssystem ICD der Weltgesundheitsorganisation WHO als termingerecht geboren.

Kliniken haben in der Vergangenheit geplante Geburten (per Kaiserschbitt oder Einleitung) häufig deutlich vor dem errechneten Geburtstermin terminiert, auch wenn es hierzu keine medizinische Notwendigkeit gab.

Es mehren sich nun Studien, die zeigen, wie wichtig diese letzten Tage der Schwangerschaft für die Gehirnentwicklung der Kinder sind.

Geplante Geburten wenn möglich spät terminieren 


Nicht immer haben Mütter die Wahl: Ein frühzeitiger Blasenriss oder ein schlecht versorgtes Kind im Mutterleib, machen den frühen Geburtstermin häufig notwendig. Wenn jedoch das Abwarten medizinisch möglich ist, sollten Eltern in ihren Entscheidungen gut beraten werden:

Eine aktuelle US-Studie um Emma Espel von der psychologischen Fakultät der Universität Denver hat bestätigen können, dass auch bei "termingerecht" geborenen Kindern, die länger im Mutterleib bleiben, sowohl die kognitiven als auch die motorischen Leistungen im ersten Lebensjahr besser sind als bei Kindern die früher "termingerecht" geboren werden.

Bereits im Mai 2013 erschienen die Ergebnisse von Rose et al. Das Team beobachtete eine Gruppe von 1562 Frauen in Santiago, Chile. Bereits hier zeigten sich die besseren motorischen und kognitiven Ergebnisse bei längerer Schwangerschaftsdauer im ersten Lebensjahr.

Studien zeigen Auswirkungen auf Entwicklung im ersten Lebensjahr


Die aktuelle Studie um Emma Espel hat das Ergebnis bei 232 Müttern und ihren "termingerecht" geborenen Kindern in Süd-Kalifornien bestätigen können. Sie konnte zudem das genaue Schwangerschaftsalter durch frühe Ultraschallaufnahmen bestätigen und verließ sich nicht ausschließlich auf die Angaben der Mütter zum Zeitpunkt der letzten Periode.

Beide Forschungsteams betrachteten ausschließlich das erste Lebensjahr der Kinder. Inwieweit die Auswirkungen langfristig zu beobachten sind, kann daher bisher nicht beantwortet werden und ist voraussichtlich Gegenstand weiterer Forschung. Die langfristigen Auswirkungen zahlreicher "termingerechter" früher Geburten hält das Autorenteam um Emma Espel durchaus im Bereich des möglichen. Sie halten sogar gesellschaftliche Auswirkungen in Ländern mit hohem Anteil geplanter Geburten für denkbar.

Nach 12 Monaten ist der motorische Vorsprung besonders groß


Besonders auffällig in der aktuellen Studie ist der Vorsprung der deutlich übertragenen Kinder (Geburt nach der 41. Schwangerschaftswoche) im motorischen Bereich nach 12 Monaten gegenüber den früher geborenen Kindern. Bei einer Zwischenuntersuchung nach 6 Monaten war dieser Unterschied noch nicht so groß.

Es ist meines Erachtens denkbar, dass der Zeitpunkt der letzten Messung nicht ideal gewählt ist, da zu diesem Zeitpunkt häufig mit dem Laufenlernen in nur wenigen Tagen sehr viel passiert. Ein Vorsprung von zwei Wochen kann in diesem Zeitraum besonders stark sein. Drei Monate später könnte der Effekt sich evtl. relativieren.

Trend bei geplanten Geburten: Wehen abwarten


Dennoch ist der Trend einzelner Kliniken, bei Kaiserschnitten die ersten Anzeichen von Wehentätigkeit abzuwarten enorm wichtig. Den Geburtstermin flexibler zu setzen ist auf Grundlage der aktuellen Ergebnisse zwingend notwendig.

Die mangelnde Planbarkeit, mehr Geburten im Nachtdienst und an Feiertagen, sind den Kliniken zwar häufig unangenehm, sollten aber nicht die Chancen der Kinder beeinträchtigen. Bei der Planung des Geburtszeitpunkts darf nicht nur bei Frühgeborenen jeder gewonnene Schwangerschaftstag abgewogen werden.

Rose et al.: "Developmental Scores at 1 Year With Increasing Gestational Age, 37–41 Weeks". In: Pediatrics. May 2013; 131(5): e1475–e1481. doi:  10.1542/peds.2012-3215

Espel et al.: "Longer Gestation among Children Born Full Term Influiences Cognitive and Motor Development". In: PLoS ONE 9 (11): e113758. doi: 10.1371/journal.pone.0113758


Donnerstag, 8. Januar 2015

Lieber nix für alle...

Foto: Dr. J. Meyer
Im Büroalltag erleben viele Menschen Konkurrenz. Eine Bekannte berichtete kürzlich wie eine Kollegin, die nicht im Homeoffice arbeitete, sich dafür einsetzte, dass alle Kolleginnen im Homeoffice eine Pflichtpause einhalten mussten, die auf die Arbeitszeit angerechnet wurde. Für sich selbst erreicht hatte die Kollegin nichts, außer einer tiefen Befriedigung, dass es nun allen gleich erging, mit fünf Stunden im Homeoffice oder acht Stunden vor Ort.

Der hat aber ein Gummibärchen mehr!


Im Kindergarten läuft das beschriebene Szenario genauso ab, oder, so legt eine neue US-Studie nahe, noch intensiver. Der Verhandlungsgegenstand ist selbstredend ein anderer: "Die darf raus und ich nicht." "Der hat aber ein Gummibärchen mehr als ich." "Ich will auch den großen Bagger."
Eine neue Studie eines Teams um die Verhaltenspsychologin Katherine  McAuliffe von der Universität Yale belegt, dass bereits Vierjährige auf eine Belohnung verzichten, wenn in diesem Fall ein anderes Kind eine höherwertige Belohnung bekäme.

Unfaire Situationen lehnen bereits Vierjährige zum eigenen Nachteil ab.


Das Forscherteam ließ Kinder und Erwachsene Spielsituationen durchlaufen, in denen sie entscheiden mussten, ob sie eine Süßigkeit annehmen, wenn andere mehr bekämen. Die vier bis neunjährigen Versuchsteilnehmer lehnten diese Situation besonders ab und verzichteten auf ihre Süßigkeit. Ältere Kinder und Erwachsene gaben sich dagegen häufiger mit weniger zufrieden und nahmen die unfaire Situation an. Vielleicht nur eine Frage des Verhandlungsgegenstands?


Quelle: McAuliffe, K.,  Blake, R. B., Warneken, F.: children reject inequity because of spite. Dez. 2014.

Samstag, 27. Dezember 2014

Vorlesen. Vorlesen. Viel Vorlesen!

Foto: Dr. J. Meyer
Winterzeit ist Vorlesezeit. Passend dazu erschien nun im Dezember 2014 eine Übersichtsarbeit einer Arbeitsgruppe der Chochrane Collaboration. Die Arbeitsgruppe rund um Elizabeth Sloat aus Kannada konnte  bestätigen, wie wichtig das gemeinsame intensive und interaktive Lesen mit den Eltern für Kinder im Alter von null bis vier Jahren ist.

Cochrane Studien gelten als besonders verlässlich. Ein Zusammenschluss von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern garantiert die Qualität und wirtschaftliche Unabhängigkeit der Studien.

"Was glaubst Du macht die kleine Hexe jetzt?"


Elizabeth Sloat und ihre Kolleginnen und Kollegen konnten zeigen, dass Programme, die Einfluss auf die gemeinsame Lesezeit mit den Eltern bei bis zu vier Jahre alten Kindern nehmen, positive Effekte auf den aktiven und passiven Wortschatz der Mädchen und Jungen haben. In der Vergangenheit konnten Studien diesen Effekt bereits zeigen. Die vorliegende Studie bestätigt dies aktuell und zeigte zudem, dass mehr Vorlesen auch mehr bringt! Besonders die Zeitspanne bis zum vierten Lebensjahr entscheidet über den späteren Lese- und Schreiberfolg und somit nicht unerheblich über die Bildungschancen der Kinder. Ganz wichtig: Eltern können ihre Sprösslinge spielerisch auffordern selbst zu erzählen. Fragen wie "Was glaubst Du, macht die kleine Hexe jetzt?" laden ein, den aktiven Wortschatz zu trainieren.

Ab in die Stadtbibliothek: Tausche Dinos gegen Monster.


Damit das gemeinsame Lesen nicht den Geldbeutel der Eltern und Platzbedarf in der Wohnung strapaziert, also ab in die Stadtbibliotheken! Die Kinder suchen ganz nach ihren Leidenschaften aus: Meist wechseln diese etwa monatlich zwischen Dinosauriern, Piraten, Rittern, Tigern, Zauberwesen aller Art und Monstern. Dann ist es gut, wenn man die 10 Bücher über Triceratops, Oviraptoren und Co. gegen die Fantasiegeschichte einer kleinen mutigen Maus tauschen kann und noch heimlich ein Buch über die Schnullerfee daruntermischt.

Zu Geburtstagen lohnt es sich auch, spannende Bücher und Hörspiele zu schenken. Denn Lesen und Zuhören macht Spass! Also ab unter die Kuscheldecke, Taschenlampe an, Obst-Proviant bereitlegen, und los gehts!

Sloat, E. A., Letourneau, N. L., Joschko, J. R., Colpitts, J, E. "Parent mediated reading interventions for children aged birth to 48 months" In: Issues in Comprehensive Pedriartic Nursing, Dez. 23 2014. doi:10.3109/01460862.2014.983279

Samstag, 13. Dezember 2014

Krabbelst Du noch oder läufst Du schon?


Laufen und Sprechen sind die beiden Fähigkeiten, die Eltern gebannt erwarten. Für Kinder bedeuten sie große Fortschritte in Richtung Selbständigkeit. Doch was haben beide Fähigkeiten miteinander zu tun? Wie beeinflussen sie sich? In welcher Reihenfolge passiert was? Klar ist, sobald die Kinder laufen, verändert sich massiv ihr Blickfeld und damit ihre Wahnehmung. Das bestätigte auch eine Arbeitsgruppe um Kari S. Kretch von der New York University. Sie beschäftigten sich mit dem Blickfeld krabbelnder und laufender Kinder. Dazu untersuchten sie 13 Monate alte Kinder, die einen "Eye-Tracker" trugen. Das ist eine Kamera, die die Blickrichtung der Kinder misst und am Kopf befestigt wird. Weitere Kinder trugen einen Bewegungsdetektor am Kopf, der die Bewegungsrichtung des Kopfes misst. Wie zu erwarten, schauten krabbelnde Kinder mehr in Richtung Fußboden und weniger in Richtung Wände. Laufende Kinder konnten ihren Bezugspersonen direkt geradeaus ins Gesicht schauen. Krabbelnde Kinder setzten sich hin, um den Blickkontakt vergleichbar aufzunehmen.


Perfektes Zeitfenster zum Sprechenlernen: Zwei Wochen nach dem Laufen lernen.


Eric Walle und Joseph Campos von der  University of California untersuchten die sprachliche Entwicklung von Kindern im Zeitfenster des Laufenlernens.  Sie untersuchten eine Gruppe von Kindern zwischen dem 10. und 13,5. Lebensmonat alle zwei Wochen. Sowohl das Sprechen als auch das Sprachverständnis entwickelte sich im direkten Anschluss an den Erwerb der Fähigkeit des Laufens, signifikant und unabhängig vom genauen Alter der Kinder. In einem Zeitfenster von zwei Wochen im Anschluss an den Zeitpunkt des Laufenlernens zeigten die Kinder einen rasant wachsenden Anstieg an Sprachfähigkeiten sowohl im aktiven Sprechen als auch im Verständnis.

Nach den zwei Wochen nahm dieser Effekt bereits wieder ab. Das bedeutet, dass mit der Fähigkeit des Laufens eher ein sprachlicher Sprung zu erwarten ist, als mit dem Erreichen eines bestimmten Lebensmonats. Anders ausgedrückt, ein Kind, das soeben Laufen gelernt hat, nimmt mehr Wörter auf als ein Kind, das einen bestimmten Altersmeilenstein erreicht hat, in dem typischerweise Kinder laufen lernen.


Bei laufenden Kindern wird der Einfluss der Eltern auf die Sprachentwicklung größer.


In einer zweiten Studie wurden die Kinder hinsichtlich des motorischen Status aufgeteilt. Es gab somit eine  Gruppe mit 24 laufenden und 20 krabbelnden Kindern. Die sprachlichen Fähigkeiten wurden verglichen und mit verschiedenen Faktoren ihres sozialen Umfelds in der beobachteten Eltern-Kind-Interaktion in Zusammenhang gebracht.
Die sprachlichen Fähigkeiten konnten dabei ausschließlich bei laufenden Kindern durch Faktoren des sozialen Umfelds wie dem beobachteten Sprachinput und den beobachteten Bewegungen der Bezugspersonen im Freispiel, vorhergesagt werden. Diejenigen Bezugspersonen, die ihren laufenden Kindern viel sprachlichen Input lieferten und sich im beobachteten Freispiel weniger bewegten, hatten Kinder mit signifikant höherer Sprachkompetenz. Für krabbelnde Kinder konnte dieser Zusammenhang nicht bestätigt werden. Denkbar ist, dass für laufende Kinder durch den intensiveren und leichteren Blickkontakt mit der Bezugsperson und durch das Freiwerden der Hände, die verbale Kommunikation und soziale Interaktion mit der Bezugsperson mehr an Bedeutung gewinnt.


Das Laufen ist eine neue Spielsituation.


Die Autoren Walle und Campos begründen die rasante Sprachentwcklung über die geänderten Bedingungen. Das veränderte Blickfeld, die neuen Möglichgkeiten wie das Freiwerden der Hände ergeben eine Art veränderte Spielsituation, die zahlreiche psychologische Effekte, motorisch, kognitiv, sozial und emotionell zur Folge hat.  Die schnelle Sprachentwicklung ergibt sich damit indirekt aus den Möglichkeiten. Kann das Kind leichter Spielsachen der Bezugsperson geben und die Bezugsperson dabei leichter anschauen, sind neue Kompetenzen wie bspw. soziale Fähigkeiten und damit verbaler Austausch gefragt. Auch vermuten die Autoren ein verändertes Verhalten der Bezugspersonen gegenüber den laufenden Kindern, das auch Einfluss auf die Sprachentwicklung haben könnte.

Walle E. A., Campos J, J. "Infant language development is related to the acquisition of walking." Dev. Psych. Feb 2014, 50(2):336-48. doi: 10.1037/a0033238. Epub 2013 Jun 10. 

Kretch K.S., Franchak J.E., Adolph K.E."Crawling and walking infants see the world differently." Child Dev. Juli-August 2014;85(4):1503-18. doi: 10.1111/cdev.12206. Epub 2013 Dec 16.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Mutterschaft verändert das Gehirn der Mütter langfristig positiv

Die Anforderungen an Eltern nach der Geburt eines Kindes sind enorm. Kaum eine Lebensumstellung stellt Menschen vor solch immense Veränderungen und Herausforderungen. Doch welche Auswirkungen ergeben sich daraus an Anpassungsfähigkeit auf das Gehirn von Müttern und Vätern langfristig nach der Geburt der Kinder?

Dieser Frage gingen bereits im Jahr 2008 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University of Richmond in einem Artikel im Fachmagazin "Archives of Sexual Behavior" nach. Sie konnten an Ratten nachweisen, dass die Fähigkeit der Nervenzellen und Synapsen, sich nutzungsabhängig zu verändern langfristig durch die Mutterschaft positiv beeinflusst wird. Auch konnte gezeigt werden, dass sich das Verhalten der Ratten langfristig verändert: Ängstlichkeit und Zögerlichkeit sind bei Muttertieren weniger anzutreffen, der Orientierungssinn verbessert sich und das Gehör wird geschärft. Wachstumsprozesse im Gehirn konnten langfristig nachgewiesen werden.

Social Freezing verhindert frühen positiven Gesundheitseffekt.


Die Studie der Arbeitsgruppe um Graig Howard Kinsley erregte die Aufmerksamkeit von Martina Lenzen-Schulte, die in ihrem Beitrag vom 6.11.2014 unter www.faz.net.de zum Thema "Social Freezing" auf die in der Öffentlichkeit vernachlässigte positive Wirkung des Elternseins auf die Gesundheit und geistige Fitness hinweist. Lenzen-Schulte formuliert erfrischend treffend, dass dieser "Booster-Effekt" der Elternschaft "so gar nicht dem Bild von Müttern, die alle kognitiven Ansprüche haben fahrenlassen" entspricht. Sie schlussfolgert, dass das indirekte Fordern des Aufschiebens des Elternseins in spätere Lebensjahre von Unternehmen, die Mütter auch um gesundheitlich und geistig wichtige Faktoren bringe, sollte die bezahlte künstliche Befruchtung in späteren Lebensjahren (wie häufig) nicht mehr zur Mutterschaft führen.
Der Effekt ist übrigens nicht nur bei Muttertieren, sondern auch bei Vatertieren, wenn auch etwas schwächer nachzuweisen.

Kinsley et al. "Motherhood induces and maintains behavioral and neural plasticity across the lifespan in the rat." Archives of Sexual Behavior. 03/2008; 37(1):43:56. DOI: 10.1007/s10508-007-9277-x

www.faz.net.de Rubrik Feuilleton 6.11. 2014 "Social Freezing: Der Fetisch mit den Frischzellen" von Martina Lenzen-Schulte

Freitag, 23. Mai 2014

Angenehme Gerüche fördern Babys Aufmerksamkeit und Gemütszustand

Foto: Dr. Jennifer Meyer
Angenehme Gerüche lassen Säuglinge aufmerksamer und besser gelaunt werden. Caroline Coffield vom kanadischen ¨The Boggs Center of Developmental Disabilities¨ untersuchte zu dieser These gemeinsam mit ihren Forschungspartnerinnen eine Gruppe von 27 sechs Monate alten Säuglingen. Ihnen wurden Bilder von einer Frau mit freundlichem oder traurigem Gesicht präsentiert. Wurden den Babies angenehme Gerüche (bspw. Kiefer oder Babypuder) gleichzeitig dargeboten, schauten sie sich die Gesichter im Durchschnitt länger an und zeigten mehr positive emotionelle Reaktionen, indem sie beispielsweise mehr lachten, als ohne Darbietung von Gerüchen.

Angenehme Gerüche lassen Babies, aber auch Erwachsene mehr lachen und aufpassen.


Dass angenehme Gerüche sowohl emotionell als auch kognitiv positive Effekte haben, war bereits bei Erwachsenen und Kindern bekannt. Das Forscherteam konnte diesen Effekt nun auch für Säuglinge nachweisen.

Quelle:
Coffield et al.: Adding Odor: Less distress and enhanced attention for six months old. Infant Behaviour and Development, May 2014 Vol 37(2)  155-161.