Samstag, 7. Februar 2015

Ein ausgeschlafenes Kind lernt mehr?

Handpuppenspieltest zeigt:
Schlaf ist wichtig für die Bildung des Langzeitgedächtnisses
Foto: Dr. J. Meyer 2015
Ein ausgeschlafenes Kind lernt nach einem Mittagsschlaf mehr? Stimmt so nicht. Genau genommen sprechen neueste Forschungsrgebnisse dafür, dass es genau anders herum sein könnte: Ein Kind, das kurz vor dem Mittagsschlaf steht, dessen letztes Schläfchen länger her ist, hat mehr Chancen zu lernen!

Forscherinnen um Dr. Sabine Seehagen (Ruhr-Universität Bochum) zeigten aktuell, dass Kinder im ersten Lebensjahr sich besser an Gelerntes erinnerten, wenn sie kurz nach dem Gelernten mindestens eine halbe Stunde schliefen.

Dazu besuchte das Forscherteam die 216 Säuglinge im Alter von sechs bis 12 Monaten jeweils zwei Mal zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung entweder kurz vor oder nach dem Mittagsschlaf.

Sie spielten den Kindern mit Handpuppen bestimmte Handlungen vor. Beim zweiten Besuch nach vier bzw. 24 Stunden schauten sie, welche Handlungen die Kinder nachahmten.

Handpuppenspieltest: Kinder die nach Gelerntem geschlafen haben, erinnerten sich.


Seehagen und ihre Kolleginnen konnten zeigen, dass Kinder die bis zu vier Stunden nach dem Puppenspiel mindestens eine halbe Stunde schliefen, deutlich mehr Erinnerungen zeigten als Kinder, die in diesem Zeitfenster nicht schliefen. Das Ergebnis trat sowohl nach 4 als auch nach 24 Stunden auf.

Die Kinder mit und ohne Mittagsschlaf nach dem Puppenspiel wurden jeweils mit einer Kontrollgruppe von Kindern verglichen, denen beim ersten Besuch keine Handlungen mit den Handpuppen gezeigt wurden. In dieser Gruppe konnte beobachtet werden, wie die Kinder spontan reagierten, wenn sie die Puppen sahen. Anschließend konnten beide Gruppen mit der Kontrollgruppe verglichen werden.

Die Kinder, die entsprechend geschlafen hatten, zeigten somit gegenüber der Kontrollgruppe mehr Handlungen, die an das Handpuppenspiel erinnerten. Die Kinder, die nicht geschlafen hatten, zeigten gegenüber der Kontrollgruppe ohne Puppenspiel mehr Ähnlichkeit im Verhalten.

 

Schlaf ist wichtig für Langzeitgedächtnisbildung.

 

Die Forscherinnen schließen aus den Ergebnissen, dass der Schlaf nach Gelerntem für die Bildung des Langzeitgedächtnisses äußerst wichtig ist. Doch was bedeuten die Ergebnisse für Eltern und Kitas, die Kleinkinder und Säuglinge betreuen?

Dr. Sabine Seehagen im Gespräch mit NeurofuerEltern


S. Seehagen, C. Konrad, J. S. Herbert, S. Schneider (2014): Timely sleep facilitates declarative memory consolidation in infants, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.1414000112

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