Sonntag, 15. März 2015

Loben! Loben!! Zu viel gelobt???

Folgen der Überbewertung des eigenen Kindes...?

Wir alle loben unsere Kinder dafür, tolle Bilder zu malen, den eigenen Namen zu schreiben, den Tisch abzuräumen, ein trauriges Kind zu trösten, dem kleinen Geschwister zu helfen, die Jacke anzuziehen, "Erster" zu sein, tapfer zu sein, beim "Letzter" sein, mutig zu sein, beim ersten Kindergeburtstag... und das ist auch gut so und passiert ganz aus dem Bauch heraus.

Unser Gefühl sagt uns ganz klar, "Lob baut auf", "macht stark", "muss sein" und macht Eltern und Kindern auch Spass. Aber irgendwie ist uns auch klar: "Mit Lob steuern wir unser Kind."

Einem kleinen Mädchen immer wieder zu sagen, wie schön oder niedlich es ist, wird es darin bestärken, dass es auf das Schönsein und Niedlichsein ankommt. Das tun glücklicherweise die Wenigsten von uns ... oder doch etwa? Einem Mädchen immer wieder zu sagen wie klug es ist, wird es überzeugen, dass es klug ist, auch ohne etwas dafür zu tun. Aber einem Kind nie zu sagen, dass es schön ist, hat vielleicht auch Folgen. Es kommt also ganz klar darauf an, wie oft, wie und was gelobt wird.

Wie viel Lob ist gut? Welches Lob ist gut für unser Kind?


Neuere Forschung, Medien und Eltern beschäftigen sich zurzeit genau mit diesen Fragen: "Wieviel und welche Art Lob ist gut für unsere Kinder?"

An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich für die tolle Diskussion auf Twitter mit @MamamaniaBlog, @Papa_mit_Hut, @gutekinderstube und @lukaano!

Hier fasse ich mal in Stichworten aktuelle Erkenntnisse und vorherrschende Meinungen zusammen:

1) Zu viel Lob kann ungünstigen Einfluss haben. Kinder, die im Vergleich zu Altersgenossen sehr viel gelobt wurden, entwickeln eher narzisstische Persönlichkeitszüge als diejenigen die etwas weniger gelobt wurden. Zudem kann ständiges Lob wie eine ständige Bewertung wirken und ggf. Perfektionsdruck aufbauen.

2) Überbewertung des eigenen Kindes kann bei Kindern zu selbstbezogenen Denkweisen führen. "Mein Kind verdient etwas Besonderes..." steht häufig in Zusammenhang zu "Ich bin anderen überlegen"

3) Kinder wollen vor allem Aufmerksamkeit. Nicht immer ist ein Lob notwendig, sondern Zuwendung und Auseinandersetzung. Ein Kind freut sich manchmal mehr darüber, erklären zu dürfen, was es gemalt hat und warum, als über ein "Toll gemacht!" oder "Super!".

4) Eltern, die Anstrengung loben, unterstützen das Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein von Kindern. Es scheint also günstiger zu sein, ein Kind für eine Anstrengung zu loben oder prozessorientiert zu loben, als für einen "kleinen Geniestreich".

5) Aufbauende Kritik ist auch wichtig. Kritik kann gut verpackt sein und Lob kann auch vergiftet sein.... "Jetzt hast Du es ja doch noch geschafft "Danke" zu sagen, siehste geht doch..." (O-Ton Spielplatz) ist zwar ein Lob, aber würdigt das Kind nicht gerade.
Wenn etwas Zeit vorhanden ist: "Bei dem Hasen ist das schwierig, die Beine zu malen oder? Sollen wir das mal zusammen ausprobieren?"

6) Authentisch und konkret gelobt ist hilfreicher als pauschal und als Technik, um bestimmtes Verhalten zu erwirken und zu steuern. Langfristig durchschauen Kinder das...
 
Ich freue mich über Eure Ergänzungen, Kritik und Meinungen zu dem kontroversen Thema!

Quellen:
http://www.pnas.org/content/early/2015/03/05/1420870112

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cdev.12064/abstract

http://www.faz.net/aktuell/wissen/narzissmus-und-der-gute-freud-kinder-wie-ich-verdienen-etwas-besonderes-13474927.html

http://www.t-online.de/eltern/kleinkind/id_62127664/erziehung-falsches-loben-kann-kindern-schaden.html

http://news.uchicago.edu/article/2013/02/12/parents-who-praise-effort-can-bolster-children-s-persistence-self-belief

http://www.spiegel.de/spiegelwissen/kinder-brauchen-motivierendes-lob-und-aufbauende-kritik-a-955404.html

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