Dienstag, 20. Januar 2015

Geplanter Geburtszeitpunkt beeinflusst Babys Entwicklung

Geplante Geburt: Jeder Tag zählt...
Foto: Dr. Jennifer Meyer
Kinder, die nach Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, gelten nach dem Diagnoseklassifikationssystem ICD der Weltgesundheitsorganisation WHO als termingerecht geboren.

Kliniken haben in der Vergangenheit geplante Geburten (per Kaiserschbitt oder Einleitung) häufig deutlich vor dem errechneten Geburtstermin terminiert, auch wenn es hierzu keine medizinische Notwendigkeit gab.

Es mehren sich nun Studien, die zeigen, wie wichtig diese letzten Tage der Schwangerschaft für die Gehirnentwicklung der Kinder sind.

Geplante Geburten wenn möglich spät terminieren 


Nicht immer haben Mütter die Wahl: Ein frühzeitiger Blasenriss oder ein schlecht versorgtes Kind im Mutterleib, machen den frühen Geburtstermin häufig notwendig. Wenn jedoch das Abwarten medizinisch möglich ist, sollten Eltern in ihren Entscheidungen gut beraten werden:

Eine aktuelle US-Studie um Emma Espel von der psychologischen Fakultät der Universität Denver hat bestätigen können, dass auch bei "termingerecht" geborenen Kindern, die länger im Mutterleib bleiben, sowohl die kognitiven als auch die motorischen Leistungen im ersten Lebensjahr besser sind als bei Kindern die früher "termingerecht" geboren werden.

Bereits im Mai 2013 erschienen die Ergebnisse von Rose et al. Das Team beobachtete eine Gruppe von 1562 Frauen in Santiago, Chile. Bereits hier zeigten sich die besseren motorischen und kognitiven Ergebnisse bei längerer Schwangerschaftsdauer im ersten Lebensjahr.

Studien zeigen Auswirkungen auf Entwicklung im ersten Lebensjahr


Die aktuelle Studie um Emma Espel hat das Ergebnis bei 232 Müttern und ihren "termingerecht" geborenen Kindern in Süd-Kalifornien bestätigen können. Sie konnte zudem das genaue Schwangerschaftsalter durch frühe Ultraschallaufnahmen bestätigen und verließ sich nicht ausschließlich auf die Angaben der Mütter zum Zeitpunkt der letzten Periode.

Beide Forschungsteams betrachteten ausschließlich das erste Lebensjahr der Kinder. Inwieweit die Auswirkungen langfristig zu beobachten sind, kann daher bisher nicht beantwortet werden und ist voraussichtlich Gegenstand weiterer Forschung. Die langfristigen Auswirkungen zahlreicher "termingerechter" früher Geburten hält das Autorenteam um Emma Espel durchaus im Bereich des möglichen. Sie halten sogar gesellschaftliche Auswirkungen in Ländern mit hohem Anteil geplanter Geburten für denkbar.

Nach 12 Monaten ist der motorische Vorsprung besonders groß


Besonders auffällig in der aktuellen Studie ist der Vorsprung der deutlich übertragenen Kinder (Geburt nach der 41. Schwangerschaftswoche) im motorischen Bereich nach 12 Monaten gegenüber den früher geborenen Kindern. Bei einer Zwischenuntersuchung nach 6 Monaten war dieser Unterschied noch nicht so groß.

Es ist meines Erachtens denkbar, dass der Zeitpunkt der letzten Messung nicht ideal gewählt ist, da zu diesem Zeitpunkt häufig mit dem Laufenlernen in nur wenigen Tagen sehr viel passiert. Ein Vorsprung von zwei Wochen kann in diesem Zeitraum besonders stark sein. Drei Monate später könnte der Effekt sich evtl. relativieren.

Trend bei geplanten Geburten: Wehen abwarten


Dennoch ist der Trend einzelner Kliniken, bei Kaiserschnitten die ersten Anzeichen von Wehentätigkeit abzuwarten enorm wichtig. Den Geburtstermin flexibler zu setzen ist auf Grundlage der aktuellen Ergebnisse zwingend notwendig.

Die mangelnde Planbarkeit, mehr Geburten im Nachtdienst und an Feiertagen, sind den Kliniken zwar häufig unangenehm, sollten aber nicht die Chancen der Kinder beeinträchtigen. Bei der Planung des Geburtszeitpunkts darf nicht nur bei Frühgeborenen jeder gewonnene Schwangerschaftstag abgewogen werden.

Rose et al.: "Developmental Scores at 1 Year With Increasing Gestational Age, 37–41 Weeks". In: Pediatrics. May 2013; 131(5): e1475–e1481. doi:  10.1542/peds.2012-3215

Espel et al.: "Longer Gestation among Children Born Full Term Influiences Cognitive and Motor Development". In: PLoS ONE 9 (11): e113758. doi: 10.1371/journal.pone.0113758


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