Sonntag, 7. Dezember 2014

Mutterschaft verändert das Gehirn der Mütter langfristig positiv

Die Anforderungen an Eltern nach der Geburt eines Kindes sind enorm. Kaum eine Lebensumstellung stellt Menschen vor solch immense Veränderungen und Herausforderungen. Doch welche Auswirkungen ergeben sich daraus an Anpassungsfähigkeit auf das Gehirn von Müttern und Vätern langfristig nach der Geburt der Kinder?

Dieser Frage gingen bereits im Jahr 2008 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University of Richmond in einem Artikel im Fachmagazin "Archives of Sexual Behavior" nach. Sie konnten an Ratten nachweisen, dass die Fähigkeit der Nervenzellen und Synapsen, sich nutzungsabhängig zu verändern langfristig durch die Mutterschaft positiv beeinflusst wird. Auch konnte gezeigt werden, dass sich das Verhalten der Ratten langfristig verändert: Ängstlichkeit und Zögerlichkeit sind bei Muttertieren weniger anzutreffen, der Orientierungssinn verbessert sich und das Gehör wird geschärft. Wachstumsprozesse im Gehirn konnten langfristig nachgewiesen werden.

Social Freezing verhindert frühen positiven Gesundheitseffekt.


Die Studie der Arbeitsgruppe um Graig Howard Kinsley erregte die Aufmerksamkeit von Martina Lenzen-Schulte, die in ihrem Beitrag vom 6.11.2014 unter www.faz.net.de zum Thema "Social Freezing" auf die in der Öffentlichkeit vernachlässigte positive Wirkung des Elternseins auf die Gesundheit und geistige Fitness hinweist. Lenzen-Schulte formuliert erfrischend treffend, dass dieser "Booster-Effekt" der Elternschaft "so gar nicht dem Bild von Müttern, die alle kognitiven Ansprüche haben fahrenlassen" entspricht. Sie schlussfolgert, dass das indirekte Fordern des Aufschiebens des Elternseins in spätere Lebensjahre von Unternehmen, die Mütter auch um gesundheitlich und geistig wichtige Faktoren bringe, sollte die bezahlte künstliche Befruchtung in späteren Lebensjahren (wie häufig) nicht mehr zur Mutterschaft führen.
Der Effekt ist übrigens nicht nur bei Muttertieren, sondern auch bei Vatertieren, wenn auch etwas schwächer nachzuweisen.

Kinsley et al. "Motherhood induces and maintains behavioral and neural plasticity across the lifespan in the rat." Archives of Sexual Behavior. 03/2008; 37(1):43:56. DOI: 10.1007/s10508-007-9277-x

www.faz.net.de Rubrik Feuilleton 6.11. 2014 "Social Freezing: Der Fetisch mit den Frischzellen" von Martina Lenzen-Schulte

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